Kirche St. Martin

Sie ist die einzige grössere Landkirche der Neugotik im Baselbiet. Sie trägt den Namen des fränkischen Nationalheiligen Martin, Bischof von Tours (316/17-397). Die erste Kilchberger Kirche dürfte somit bis in die Zeit der fränkischen Alemannen-Mission (7. oder 8. Jahrhundert) zurückgehen. Erbaut auf ehemals römischem Siedlungsgebiet, ist sie eine der Mutterkirchen des Baselbiets. Von Anfang an diente sie allen drei Dörfern Kilchberg, Rünenberg und Zeglingen als gemeinsamer Gottesdienstraum.

Kirche Innenraum

Innenansicht der Kirche St. Martin

1276 wird die Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Um 1400 herum wurde sie verlängert, bis sie die Länge des heutigen Schiffs erreichte. Aus dem Spätmittelalter stammen noch die beiden kleinen Fenster in der Westwand. 1529 wurde die Reformation eingeführt. 1619 wurde der Turm errichtet.

Rudolf Zwilchenbart

Rudolf Zwilchenbart um 1868

1867/68 wurde die Kirche mit Ausnahme des Turms abgerissen und die heutige im Stil der Neugotik nach Plänen von Paul Reber erbaut. Kirchgemeindeglieder leisteten viel Fronarbeit, und Rudolf Zwilchenbart, ein als Kaufmann reichgewordener Kilchberger Pfarrerssohn, übernahm 7/10 der Baukosten. 1887 erhielt die Kirche ihre spätromantische Orgel, erbaut von Carl G. Weigle.

1974-76 wurde die Kirche archäologisch untersucht, restauriert und unter Denkmalschutz gestellt.

Im 34,5 Meter hohen Turm hangen vier Glocken, gestimmt auf die Töne es, g, b, c. Die drei kleineren wurden 1868 und die grösste 1975 gegossen. Sie tragen folgende Inschriften:

es-Glocke: Friede sei mit euch. g-Glocke: Drei Schwestern verbunden zu einem Klang, erheben den Sang, drei Schwestern zu laden zu einigem Gang. b-Glocke: Altes Erz zu neuem Guss, altte Liebe neu beleben, alles stirbt, doch bleinen muss uns das Heil, das Gott gegeben. c-Glocke: Von der Familie Zaeslin.

Noch immer erklingt an Sonn- und Feiertagen, bei Hochzeiten und Beerdigungen die Einladung der Glocken, sich in der Kirche zu versammeln, um gemeinsam den Zuspruch und Anspruch Gottes zu vernehmen.